Welcome to Afrika!

…diesen Satz sagte ein Mitvolunteer als ich gestern  erst nach dem dritten Biss in ein Butterbrot merkte, dass es vor Miniameisen nur so wimmelte. (Memo an mich selbst: Keine Lebensmittel im Schlafzimmer lagern!)
Doch abgesehen von dem kleinen Schock gestern, geht’s mir hier verdammt gut.
Ich habe meine erste Woche im Programm von Help2Kids hinter mir und stelle fest, dass täglich von Kindern umgeben zu sein etwas Tolles, aber auch etwas Anstrengendes ist.

Morgens bin ich in einer Vorschule in Kunduchi, einem kleinen Fischerdorf am Rande von Dar es Salaam.
Kunduchi hat eine ganz eigene Athmosphäre, die mehr sehr gefällt. Es ist zwar ein sehr armes Viertel, aber seine direkte Lage am Meer gibt einem das Gefühl in einer Zelt- und Hüttenstadt am Strand zu sein. Viele Palmen, viel Sand, viele Boote und Fischernetze und auch viel Armut. Die Menschen dort sind wahnsinnig freundlich und grüßen einen jeden Morgen als „Teacher“, wenn man ankommt.
Mit seinen engen Gassen, den kleinen Steinhütten, den Ziegen und Hühnern und den offenen Feuerstellen vor den Häusern, erinnert es mich tatsächlich etwas an eine vergessene Mittelalterstadt. Und das meine ich durchaus positiv.
Wir fahren morgens mit dem Daladala hin, das sind einfache Busse, die von allen Gesellschaftsschichten hier genutzt werden. Die Fischer fangen schon im Bus an, den frischen Fang an die Passagiere zu verkaufen.
In der Schule selbst unterrichten wir Kinder zwischen 3 und 6 Jahren, was wahnsinnig niedlich ist. Sie sind hochmotiviert und obwohl sie wahrscheinlich Großteile von dem was wir auf Englisch reden nicht verstehen, freuen sie sich, wenn wir singen, malen und neue Sachen lernen.  Sie sind aber auch schnell frustriert, wenn mal was nicht direkt klappt und fangen an zu weinen. Und sie schlagen sich viel untereinander. In den Pausen ist man eigentlich oft damit beschäftigt zwei schreiende Kinder voneinander zu trennen. Ich vermute, dass sie es nicht anders gelernt haben, die Kinder im Waisenhaus machen es jedenfalls nicht. Ansonsten scheint das Lieblingswort der Kinder „Teacher“ zu sein, denn alle zwei Sekunden wird man von einem anderen Kind mit diesem Wort gerufen, weil sie einem irgendwas zeigen wollen oder weil sie einfach nur Spaß daran haben einen zu rufen.
Die Pausen sind immer sehr schön, denn ich habe immer mindesten drei Kinder an meinem Körper baumeln, die Affe oder Baby spielen wollen oder einfach nur versuchen ein Stückchen „Teacher“ für sich zu beanspruchen.
Was jetzt alles sehr chaotisch klingt, ist aber tatsächlich oft einfach normaler Vorschulunterricht der Spaß macht und den ich für sehr sinnvoll halte. Die Kinder können oft schon um Längen besser Englisch als ihre Eltern.

Wenn wir uns in der Schule verabschiedet haben (wir sind drei Volunteers dort) machen wir uns auf den Weg ins Waisenhaus zum Lunch, dort treffen sich alle Volunteers und wir essen zusammen Reis und Bohnen oder Bohnen und Maisbrei oder Bohnen-Erbseneintopf oder auch einfach nur Bohnen mit irgendwas. Schmeckt aber meistens gar nicht schlecht. (Und Abends gibt’s ja eh noch RICHTIG Essen von Mama Gracey&hellip
Die meisten Kinder sind zu dieser Zeit noch in der Schule und so ist das immer sehr ruhig und erholsam.
Da die Waisenkinder Volunteers gewöhnt sind, die sie jeden Tag bespaßen, habe ich dort, selbst wenn alle da sind, keine Kinder an mir baumeln. Das ist für die Arbeit ganz praktisch. Meine Arbeit, die ich dort mache, ist das Tutoring. Das heißt, mir wurden zwei Kinder zugeteilt mit denen ich Hausaufgaben mache und denen ich Nachhilfe gebe. Meine Kinder sind Riziki (Junge, 9) und Happy John (Mädchen, 12).
Riziki ist der Klassenclown und daher etwas anstrengend zu händeln, aber auch sehr liebenswert und vor allem extrem intelligent was Mathe angeht.
Happy John ist auch toll. Sie ist erst seit einem halben Jahr im Waisenhaus, hat sich aber schon sehr gut eingelebt. Sie ist kein Waise, aber ihre Geschichte ist dennoch sehr traurig. Sie wurde in ihrer Familie oft misshandelt und sogar vergewaltigt und deshalb ist sie nun hier. Bis heute muss sie immer jemand zur Schule bringen und wieder abholen, weil es gewalttätige Familienangehörige gibt, die nicht damit einverstanden sind, dass sie jetzt woanders lebt.
Für das, was sie durchgemacht hat empfinde ich sie als sehr starkes Mädchen und ich kann super mit ihr arbeiten. Sie spielt Fußball in einer Mädchenmannschaft und singt im Chor.
Auch scheint sie die Zeit mit mir sehr schön zu finden, denn einmal kam sie sehr spät vom Fußballtraining und wir mussten das Tutoring ausfallen lassen.  Da war sie tatsächlich traurig und enttäuscht, was mir mit zwölf bei Nachhilfestunden wahrscheinlich nicht passiert wäre.

Aber mal abgesehen von den Geschichten, die jedes Kind so mit sich rumträgt empfinde ich das Waisenhaus als einen sehr schönen Ort. Sie haben viel Platz und Möglichkeiten zu spielen, sie leben in Familienverbänden mit Mamas, die Tag und Nacht für sie da sind und natürlich sind immer jede Menge andere Kinder zum spielen da. Sie haben zwei Kaninchen und zwei Katzen und bekommen alle eine gute Schulbildung.

Also soweit mein Allltag hier.
Ihr seht, alles im grünen Bereich bei mir bisher. Leider wird es mir nicht möglich sein, Bilder hochzuladen, weil es mich alleine schon drei Laptops, ein bis zwei Stunden Lebenszeit und vierzig Nervenbündel kosten wird, diesen Beitrag zu veröffentlichen.
Vielleicht finde ich in den nächsten Wochen noch eine Lösung, ansonsten, danke fürs Lesen und lieben Gruß!


25.8.14 20:04

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